Rainer Kaiser


Rainer Kaiser aus Augsburg gehört zu den innovativen jungen Künstlern, die vergessene Techniken wieder entdecken. Insbesondere auf dem Gebiet der Grafik hat er kaum bekannte Verfahren zu neuem Leben erweckt. Er kombiniert Cyanotypie mit Fototechnik, experimentiert auf dem Gebiet der Intagliotypie oder forscht nach neuen Strukturen, die sich z. B. durch die Reaktion von Acrylfarbe und Tusche ergeben.

Rainer Kaiser gibt den flüchtigen Formen, den chiffrehaften Verknappungen viel Freiraum. Die bildnerischen Eintragungen auf Papier haben – jenseits der Ausformulierung – den Charme von Skizzen und Notaten. Das Besondere an Kaisers Vorgehen ist, dass sich in den Mischtechniken zwei getrennte, eigens bearbeitete Blätter überlagern. Das vorne liegende Papier wird mit Farbe eingedeckt, die wieder abgewischt wird. Segment für Segment erfolgt der Auftrag von Paraffin, das nach der Erkaltung wie eine Haut auf der Oberfläche liegt. Die Ritzungen mit der Radiernadel muten wie Tätowierungen an. Rostrot leuchten die Energiezentren: Gefäße, Flugkörper und Köpfe mit Ohren, die auf Empfang eingestellt sind. Sie finden teils im hinteren, mit Öllasuren überzogenen Blatt eine Echoform oder einen graufleckigen Fond, der die Feinritzungen umso bestimmter hervortreten lässt. Kaisers Kunst spielt auf einer Vorder- und Hinterbühne, bildet transparente Formentsprechungen und Spannungen aus, Analogien und Differenzen. Sein reflexiver Blick führt Perspektiven eng und kontrastiert sie zugleich. Er lässt Formen schweben und stellt sie dann wieder scharf. Der Künstler überlegt und probt sehr lange, welche Blätter er zusammenführt und will sich, wie er sagt, selber überraschen und keinesfalls harmonisieren. (Günter Ott)

Kunstraum Vincke-Liepmann
Häusserstrasse 25
69115 Heidelberg

RAINER KAISER
behutsame Verbindungen
Arbeiten auf Papier + Installation
Vernissage: 4. März 19 – 21 Uhr
Rainer Kaiser wird anwesend sein
Dauer bis 23. April 2017
Do + Fr 15 – 19, Sa + So 11 – 15
oder 0172 – 615 84 97
www.kunstraum-vincke-liepmann.de

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