Arme Villa Fuchs

Schon zu Baubeginn 2013 haben wir über die Umbauten der Villa Fuchs zu Luxuswohnungen berichtet. Damals hieß es:
“Was würde wohl der alte Fuchs, Firmengründer der Fuchs`schen Waggonfabrik Heinrich Fuchs, zu der Neu­ge­staltung und Umnutzung seiner ehemaligen Direk­torenvilla sagen? Würde er den pompösen Umbau zu Hochpreiswohnraum gutheißen? Immerhin hatte er mit seinem Unternehmen viel zur Industrialisierung und Gestaltung der Heidelberger Weststadt beige­tragen.”

Am 2. April 1862 wurde die Waggonfabrik Heinrich Fuchs gegründet und die Fertigung mit 30 Arbeitern aufgenommen. Zum Lieferprogramm zählten Eisenbahnwagen, Brücken, Eisenkonstruktionen sowie Eisenbahnbedarf jeder Art. Letztere Fabrikationszweige verloren im Lauf der Zeit an Bedeutung; es blieb der Waggonbau als Haupterwerbszweig. Nach dem Tod von Heinrich Fuchs im Jahre 1884 ging die Firmenleitung an seine anderern Söhne Valentin und Karl über. Valentin trat bald zurück, und so wurde Karl (auch Carl) Fuchs alleiniger Inhaber und Leiter. Als im Jahre 1897 zwei neue Werkshallen nur auf Widerruf genehmigt wurden, weil die Stadt die Waggonfabrik zum Umzug bewegen wollte, und außerdem durch die Pläne der Staatsbahn zur Verlegung des Hauptbahnhofes der Gleisanschluß verlorenzugehen drohte, erwarb Fuchs auf der Gemarkung von Rohrbach, 4 km südlich von Heidelberg und unmittelbar am Staatsbahnhof Kirchheim gelegen, ein 140 000 qm großes Areal und begann dort mit der Errichtung einer neuen, nach damaligen Gesichtspunkten modern ausgestatteten Fabrik.” (Quelle: Bernhard König, “Die Waggonfabrik Heinrich Fuchs in Heidelberg”, in: BDEF-Jahrbuch 1990)

Gut, später war das Anwesen bis in die 1970er  als Kreiswehrersatzamt der Bundeswehr, danach von der US-Army für irgendeine Randaufgabe in Beschlag genommen, was dem baulichen und spirituellen Zustand des Gebäudes nicht unbedingt zum Vorteil gereichte. Ganz im Gegenteil, die ehemals respekteinflößende und repräsentative Villa Fuchs war ziemlich heruntergekommen.

Villa Fuchs September 2013

Das gesamte Grundstück mit den denkmalgeschützten Gebäuden wurde an einen als Bauherr auf­tretenden Investor verkauft und somit einem speziellen hochpreisigen WohnraumInvestment zugeführt.


Der Investor versprach “In bester Lage von Heidelberg, der beliebten Weststadt, befindet sich dieses außergewöhnliche Projekt. Die nach §2 Denkmalschutzgesetz eingestufte Villa Fuchs und das Remisengebäude stehen auf einem ca. 1.900m² großen Parkgrundstück” und fährt dann fort “Die Denkmalsanierung erfolgt nach den Maßgaben der Baubeschreibung. Die Ausstattung wird äußerst hochwertig sein und den Komfortbedürfnissen von exklusivem Wohnen entsprechen. Kaufen Sie ein Stück Heidelberger Geschichte.”

Villa Fuchs August 2017

Doch nie hätten wir geglaubt, dass im heutigen Jahr 2017 immer noch gebaut, repariert, saniert und renoviert werden muss. Irgendwie scheint die Rechnung, Luxuswohnungen mit Billiglöhnern zu errichten, nicht wirklich aufzugehen. Heute gehen Fachfirmen mit ihren Facharbeitern ans Werk und langsam scheint Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein. Irgendwie, ohne Häme gemeint, erinnert das ganze Projekt an einen Hauptstadtflughafen, der sich als eine Endlosgeschichte herausgestellt hat.

Hinterlassen Sie einen Kommentar