Kraichgauer Geschichte

Thomas Adams Kraichgauer Geschichte in aktualisierter Neuauflage:
Vom Homo heidelbergensis bis zur TSG 1899 Hoffenheim
Eine geschichtliche Betrachtung der Heimat zwischen Oberrhein und Neckar

Die Bruchsaler fürstbischöfliche Residenz erstrahlt seit Frühjahr 2017 auch im Innern in altem barocken Glanz, die TSG Hoffenheim spielt auf Spitzenplätzen der Bundesliga und damit im europäischen Fußball mit, Bretten ist regionale Metropole des Reformationsgedenkens: Es tut sich viel im Kraichgau, von dem die Touristiker bevorzugt als einem „Land der tausend Hügel“ sprechen. Ehedem gerne als „den ganz großen Veränderungen entrückt“ beschrieben, befindet sich der Raum zwischen Oberrhein und Neckar längst im Entwicklungssog der Metropolregion Rhein-Neckar, der TechnologieRegion Karlsruhe und der Wirtschaftskraft von Heilbronn. Grund genug, die bisher einzige epochenübergreifende Darstellung dieser Landschaft, Thomas Adams „Der Kraichgau. Eine kleine Geschichte“, nun in einer dritten, aktualisierten Auflage herauszubringen. Erstmals 2009 erschienen und zwischenzeitlich vergriffen, kommt das rund 280 Seiten starke, reich bebilderte Standardwerk beim Karlsruher Lauinger Verlag umfassend überarbeitetet heraus.

„Es gibt viel Neues zwischen Oberrhein und Neckar“, sagt Adam. Umfassend hat er zu wirtschaftlichen, kulturellen und ökologischen Themen recherchiert, will seine Feststellung aber keineswegs nur auf aktuelle Entwicklungen beschränkt wissen. Augenzwinkernd fügt der Autor hinzu: „Auch aus Steinzeit und Mittelalter sind jede Menge Neuigkeiten zu vermelden.“ Tatsächlich hat der Bruchsaler Museumsleiter und Kulturbeauftragte über alle Kapitel hinweg, von der Vorgeschichte bis zur Gegenwart, die Erkenntnisse aktueller Forschungsprojekte, archäologischer Grabungen und historischer Untersuchungen eingearbeitet, die seit der ersten Ausgabe seines Buches veröffentlicht wurden. Völlig neu ergänzt wurde auch ein Anhang mit touristischen und gastronomischen Empfehlungen für Tagesausflüge in den Kraichgau.

Die darauf verwendete Zeit des Umschreibens und Neuformulierens war Adam wichtig: „Den Text von 2010 wollten ja weder der Verlag noch ich einfach nur nachdrucken. Aktualisierung ist bei einem solchen Projekt absolute Pflicht.“ Etwas überrascht hat den Autor der hohe zeitliche Aufwand, der für die Umarbeitung erforderlich war: „Es ist fast leichter, ein Buch neu zu schreiben, als immer wieder in die Passagen eines vorhandenen Textes einzugreifen.“ Alles sei ja sprachlich ineinander verwoben, jede Änderung könne noch viele Seiten später Auswirkungen haben auf inhaltliche Zusammenhänge und historische Querbezüge.
Mit der Neuauflage seines Buches im Handgepäck will Adam nun anknüpfen an seine Lesereise durch den gesamten Kraichgau, die er 2013 nach weit über sechzig Vorträgen vorläufig beendet hat. Jetzt bietet er das Thema noch einmal zwischen Durlach und Besigheim im Süden sowie zwischen Heidelberg und Aglasterhausen im Norden allen Heimatvereinen, Museen und touristischen Einrichtungen an. Immer gehe es ihm dabei auch darum, bei seinen Zuhörern Interesse für die Landschaft zu wecken, in der sie leben. Oftmals beendet er seine Lesungen mit den Worten: „Sollten Sie diesen Vortrag als Werbeveranstaltung für den Kraichgau verstanden haben – dann haben Sie ihn völlig richtig verstanden.“ Der ereignisreichen Vergangenheit einer Region lasse sich an wichtigen Schauplätzen historischer Geschehnisse nachspüren.
„Geschichte hat nicht irgendwo stattgefunden, sondern stets an einem konkreten Ort, und oft genug vor unserer Haustüre“, sagt Adam. Man müsse, um die Vergangenheit zu begreifen, sich nur an eine zentrale Maxime halten: dass die Heimat geschichtlich zu sehen sei und nicht die Geschichte heimatlich.
Mehr Infos:kleine-geschichte-des-kraichgaus
Thomas Adam: Der Kraichgau. Eine kleine Geschichte (Regionalgeschichte – fundiert und kompakt),
Lauinger Verlag, Karlsruhe,
284 Seiten, rund 80 Abbildungen,
19,90 Euro, ISBN 978-3-7650-8433-1

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