Global Village

Ein lokales Theaterprojekt von Hubert Habig

Inhalt: Gestern galt die zusammenrückende Welt noch als rührendes Idyll, als Ziel der Menschenfreunde. Das „globale Dorf“ wurde zu einer Kitschmetapher. Damit wir nicht vergaßen, wie sehr wir alle eins sind, erinnerte uns die Popmusik mit WeItumarmungsliedern daran: „We are the world” und wir Privilegierten steckten Kerzen an und schunkelten dazu.

Heute ist uns der Spaß an dieser Utopie gründlich vergangen. Inzwischen scheinen hinter jeder Ecke Monster zu lauern. Ist die Welt noch zu retten? Ist das zu teuer? Wer kann die Folgen abschätzen?

Es würde womöglich viel Blut kosten. Zudem: Mit welcher moralischen Berechtigung?

Chris, Reporterin, bricht auf. Will ins Auge des Tornados schauen, den Menschen in Krieg und Elend nahe sein. Aller Welt ins Wohnzimmer liefern, was an Furchtbarem vor unserer Haustür geschieht. Will an die Frontlinie zwischen Fegefeuer und Hölle.

Auf dem Weg nach Süden, wo der Krieg tobt, bleibt sie an einer Weggabelung hängen. Minen im Niemandsland, dessen Ränder ausfransen wie ein alter Teppich. Trifft auf Bewohner dieser Einöde: Jovi, der Geschäfte mit allem und jedem macht. Farhad, der sich weigert sie weiterzufahren. Zira, Jovis Frau, die sich weigert die dunklen Geschäfte ihres Mannes zu decken. Natalie, das Mädchen, das sich zu weigern nicht traut.

Schließlich strandet auch Anthony dort. Ein Waffenhändler, der schnell weiter will, um mit dem Feldkommandeur der Südtruppen Abschlüsse zu tätigen. Der Aktienkurs seines Unternehmens braucht eine gute Performance, weil er den Laden” verkaufen will. Sein Motiv. Endlich wirklich leben.

Auch Chris sucht nach ursprünglichen Wahrheiten in dieser scheinbar archaischen Welt. Beide sind sie Global Players auf der Flucht aus dem nördlichen Teil des „Globalen Dorfs”. Nun lässt der Ort sie nicht mehr los. Alle sind zum Bleiben verurteilt. Einheimische und Fremde.

Schließlich rückt die Front näher. Hat Jovi seine krummen Geschäfte mit den Feldkommandeuren überreizt? Jetzt folgt Vergeltung und sie trifft alle. Im Angesicht der nahenden Apokalypse folgt ein letztes Aufbäumen der Vernunft.

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