Kuscheln statt Sondieren?

Eigentlich ist es seltsam, wenn Parteien verschiedener politischer Ausrichtung gegeneinander Wahlkampf führen, um anschließend miteinander zu regieren. Dieses Prinzip von Demokratie ist politisch sehr eingeschränkt denn es kann immer nur verwalten statt zu gestalten.
Gerade jetzt, nach dem Slalomlauf der SPD von der Regierungsbank in die Opposition und zurück, sind die Bürger/innen, Wähler/innen von dem parlamentarischen Rumhampeln nicht überzeugt, geschweige denn zufrieden.
Angela Merkel will unbedingt mit der angezählten CDU an der Macht bleiben, die SPD mit Verlierer Martin Schulz hat nichts zu verlieren ausser noch mehr Stimmen und jede Form von Glaubwürdigkeit.

Sind das Voraussetzungen für eine Aufbruchsstimmung ins digitale Zeitalter und allen anderen Herausforderungen?
Nein und nochmals nein.
Am ehrlichsten sind jetzt Neuwahlen, alles auf Anfang, um dem Bürger mit den letzten Erkenntnissen über seine Volksvertreter die Möglichkeit zu geben, das Parlament neu zu bestimmen.

Schließlich ist bei uns angeblich das Volk der Souverän.

Mit viel Ironie kommentiert Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart das Thema in seinem “Morning Briefing” am 9.Januar 2018:
“Die Sondierungsgespräche in Berlin gleichen immer mehr einer Operette, die sich als Drama ausgibt. Die Akteure Martin Schulz, Horst Seehofer und Angela Merkel tun so, als würden sie um die Zukunft des Landes ringen. Doch in Wahrheit verhandeln sie ihre eigene politische Restlaufzeit. Der Deutsche Bundestag schaut tatenlos zu. Die Abgeordneten genießen das, was die IG Metall nur fordert: Vorruhestand bei vollem Lohnausgleich.

In allen drei Parteiapparaten, das allerdings macht die Angelegenheit für das Trio so dringlich, hat die Suche nach geeigneten Endlagerstätten begonnen, die nach Lage der Dinge auch im belgischen Brüssel liegen könnten. Mitleid müssen wir an dieser Stelle nicht investieren: Die EU-Endlagerung ist komfortabler als jedes Pharaonengrab, weil sie bei lebendigem Leib und hohen Bezügen stattfindet. Brüssel ist die einzige Grabstätte der Welt, in der Austern gereicht werden.

Noch freilich ist es nicht so weit. Das Stück befindet sich nach dem stimmungsvollen Jamaika-Prolog – Jungsiegfried Christian Lindner trat auf, um abzutreten – noch immer im ersten Akt. Nur das Bühnenbild wechselte mittlerweile von Balkon auf Hinterzimmer. Dort reden die Beteiligten absichtsvoll aneinander vorbei. Die SPD bestreitet der Bevölkerung das Recht, zu entscheiden, mit wem sie zusammenleben möchte. Die CSU hofiert Viktor Orbán und genehmigt sich Glyphosat. Die Kanzlerin wirkt, als habe sie ihren Text vergessen.”

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