SPD Geisterstunde

Die entscheidende Mitglieder­abstimmung, ob für oder gegen Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU, steht bei der ehemaligen Volkspartei SPD vor der Tür.
Das Partei-Establishment, also Vorstand, Amtsinhaber und Altfunktionäre klappern für eine Weiterführung der eigentlich abgewählten Großen Koalition, dass es dem politiker-verdrossenen Bürger die Tränen in die Augen treibt. Gerade jene Köpfe erheben jetzt aus der Parteikulisse die Stimme für die Weiterführung der Junior­partnerschaft mit Merkel und Co.,  die dafür gesorgt hatten, dass sich ihr ehemaliges Wählerklientel von der SPD abgewendet hat. Das ist genauso traurig wie grotesk.
So stand es im ZDF-Videotext von heute:
Werbung für Verhandlungen: Breiter SPD-Appell pro GroKo
Angesichts des ungewissen Ausgangs der Abstimmung über Koalitionsverhandlungen mit der Union werben rund 40 SPD-Politiker für die Aufnahme solcher Gespräche – “aus Verantwortung für Deutschland, Europa und die SPD”. Der Aufruf wird getragen von Sozialdemokraten aller Strömungen.  Auch die ehemaligen Juso Vorsitzenden Niels Annen und Björn Böhning beteiligen sich daran. Ebenso unterzeichnet haben ExSPD-Chef Matthias Platzeck und die frühere Bundespräsidentschaftskandidatin Gesine Schwan.”

Ein weiterer Altgenosse hat sich ebenso zu Wort gemeldet, doch bitte die bisherige Koalition weiter zu führen, komplett den vollmundigen Auftritt von Martin Schulz nach seiner verlorenen Bundestagswahl ignorierend. Schulz hatte nach der Bundestagswahl gesagt “In eine Regierung von Angela Merkel werde ich nicht eintreten.” (Quelle: ARD Videotext, 12.01.2018)

SPD entscheidet über GroKo: Müntefering warnt vor Nein
Der frühere SPD-Bundesvorsitzende Franz Müntefering warnt seine Partei eindringlich vor den Folgen einer Ablehnung von Koalitionsverhandlungen mit der Union. Bei einem Nein des Bundesparteitags würden die anstehenden Landtagswahlen in Hessen und Bayern für die SPD “um einiges schwieriger”, schreibt Müntefering im Berliner “Tagesspiegel” .”Die SPD gibt ein Spiel verloren, ohne wirklich bis zur 90. Minute gekämpft zu haben. Das ist elender als eine Niederlage”, warnte Müntefering weiter.”

Gerade der “Glück auf Franz” aus dem Ruhrpott trug in seiner Zeit als Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion dazu bei, den Sympathiewert seiner Partei bedeutend zu minimieren.
Heute auf solche Stimmen zu hören wäre ein fataler Fehler für die weitere Existenz der Ex-Volkspartei mit ehemals sozialer Ausrichtung.
Die Partei SPD muss sich kritisch analysieren, ehrlich diskutieren statt mit “immer weiter so” noch tiefer in den Zustimmungs-Keller zu rutschen und Personal muss ausgetauscht werden.
Doch Priorität sollte die Erarbeitung eines neuen sozialdemokratischen Parteiprogramms sein, das eine Zukunftvision und eine verantwortungsvolle Gesellschaftspolitik für alle Bürger einschließt.
Diesen Schritt kann eine abgehalfterte Partei nicht in einer abgetakelten Koalition machen, sondern muss in der Opposition sich erneuern und auch frühere Fehler bei der eigenen Regierungsbeteiligung revidieren.
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