Quo vadis SPD?

Es ist vollbracht. Von 642 Delegierten stimmten 362 mit JA, 279 mit NEIN. Ein Delegierter enthielt sich.
Kein Wort fiel bei der “hitzigen Diskussion” über die Riesen-Kehrtwende, die von Lichtgestalt Martin Schulz vollzogen wurde (siehe hier). Die alten Köpfe aus dem Parteivorstand wollen sie, die Große Koalition, denn sie beschert ihnen ein gutes Leben. So ein bisserl Mit-Regieren, bisserl die Merkel gar nicht so schlecht finden und vor allem sich der ach so breiten bürgerlichen Mitte zugehörig fühlen. Ganz so wie ein Gerhard Schröder damals den Weg vorgegeben hat.
Ein echter Wille zur Erneuerung und Wiederauferstehung der deutschen Sozialdemokratie als Partei der breiten Mehrheit der Gesellschaft, also vom Proletariat bis ins mittlere Bürgertum, kam nur von den jungen, noch nicht vom Apparat verbogenen SPD-Mitgliedern, die noch Moral, Geschichte und Gesellschaftspolitik zusammenbringen wollen.
Leute wie Martin Schulz, Schreihälsin Andrea Nahles, Ralf Stegner, Kurt Beck, Franz Müntefering, Rudolf Scharping und wie sie alle heißen können nur noch mit abgehalfterten Appellen argumentieren, weil sie mit ihrer Partei- und Regierungspolitik in den letzten 12 Jahren die SPD in die Unwählbarkeit manövriert haben. Jakob Augstein auf Spiegel-Online: “Offenbar hat die SPD die Große Koalition inzwischen schon in ihren Genen. Es ist so traurig. Wenn es zu Neuwahlen kommen sollte, würden die Bürger der SPD “den Vogel zeigen”, sagte Nahles. Oskar Lafontaine schrieb dazu nachher: “Sie vergisst: Die Wähler zeigen der neoliberal gewendeten SPD seit 20 Jahren den Vogel.”
Gabor Steingart vom “Handelsblatt” hat in seinem Morning Briefing die fehlende Zukunftsorientierung der SPD bemängelt:
„Wer morgen sicher leben will, muss heute für Reformen kämpfen“, lautete der Wahlkampfslogan, den Willy Brandt 1972 plakatieren ließ.
„I have a dream“, sprach Martin Luther King Jr. beim Marsch auf Washington vor mehr als 250.000 Menschen. Er sagte nicht: Ich möchte die paritätische Finanzierung der Krankenkasse wieder einführen.”
Und zur einstündigen Grundsatzrede des Vorsitzenden Martin Schulz schreibt Steingart: “Er (Schulz) wirkte in seiner Floskelhaftigkeit erstarrt – und die SPD in ihrer Gänze hat diese Limitierung erstmals bemerkt. Schulz gab seinen Genossen viele Worte, aber keinen Sinn. Oder um es mit dem Spötter Karl Kraus zu sagen: „Man glaubt gar nicht, wie schwer es ist, eine Tat in einen Gedanken umzusetzen.“

Die Wahlergebnisse der letzten Jahre liefern doch Argumente genug, um ein Umsteuern bzw. einen Neuanfang als verpflichtend zu sehen. Nicht so ein Typ wie Stegner, der immer noch behauptet, “nun sehe man wieder, dass ohne die SPD nichts geht.”
Ist das peinlich und realitätsfern? Nein, das ist super-peinlich und super-realitätsfern.
Jetzt klopfen sich die GroKo-Umfaller auf die Schultern und halten sich für staatstragend.
Eine Chance wurde vertan, die nicht mehr kommt. Schauen wir mal, was aus der SPD wird bis 2021.

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