Poetische Sofortbilder

Wieder einmal hatte Peter Schenk von der Büchergilde in der Kleinschmidtstraße zu einer interessanten Vernissage einge­laden. Der Fotograf Jessen Oestergaard zeigt hier seine Schwarz-Weiß-Bilder, die er mit einer fast verschwundenen, jetzt aber wieder auferstandenen Technik herstellte: Polaroid, die Instant-Fotografie aus den 1950er und -60er Jahren.
Über wundersame Wege des Zufalls, Oestergaards Mutter war einst Buchverkäuferin bei der Büchergilde in Berlin, kam jetzt diese Ausstellung von Jessen Oestergaard in der Büchergilde in Heidelberg zustande. Diese seit ihrer Gründung 1924 auf Qualität ausgerichtete Bildungseinrichtung ist heute immer noch eine feste Institution für hochwertige Bücher in Form und Inhalt, sowie Veranstaltungsort verschiedener Kulturveranstaltungen in der Weststadt. (Programm siehe hier)

Das Revival der Polaroid-Fotografie vermittelte Jessen Oestergaard den interessierten Besuchern seiner Vernissage mit Sachverstand und einigen literarischen Texten zu seinen Bildern. Die ganz eigene Ästhetik des Materials bringt Ergebnisse, die auch den Künstler selbst überraschen können, seine Arbeit ist ein Prozess analog zu dem chemischen Entwicklungsprozess innerhalb des Polaroidbildes. Die ausgestellten Bilder entstanden durch das hochwertige Ein-Scannen nicht der eigentlichen Fotos, sondern der chemischen Entwicklungsschicht  des Polaroidbildes. So kam es zu ganz verschiedenen visuellen Effekten, die jedes Bild zum Unikat machen.
Jessen Oestergaard entdeckte seine Passion für die Fotografie während des Literaturstudiums in Heidelberg und wurde freier Fotograf. Neben der Auftragsfotografie publiziert er Bildbände und Kalender. Als Dozent für Fotografie arbeitet er in Schwetzingen, in Brandenburg und Frankreich. Er leitet die Künstlerinitiative Schwetzingen KIS e. V. und Ist Mitglied im VBKW und im BBK.
Seit Oestergaard vor einigen Jahren auf einem französischen Flohmarkt eine jahrzehntealte Polaroidkamera kaufte, sie zuhause reinigte und entdeckte, dass sie noch funktionierte, hat ihn eine neue Liebe zur Sofortbildfotografie erfasst. Durch deren aus heutiger Sicht technisch unperfekte Ästhetik kann er in seinen freie Arbeiten die Fotografie neu erleben, mit einer, wie er sagt, “unerklärlichen Leichtigkeit des Sehens”. Es entstehen immer mehr Werkgruppen, vor allem von Landschaften, und Naturdetails. Aktuelle Motive stammen vom Rhein bei Speyer, vom Botanischen Garten in Straßburg und von der Seelandschaft Brandenburgs.
Diese andere Art des Fotografierens bedeutet auch eine Rückbesinnung auf die erzählerischen Instinkte aus der Studienzeit Den Bildern stellt er immer öfter eigene kurze Prosatexte gegenüber.
Die in der Büchergilde Heidelberg gezeigten Fotografien sind alle mit dem legendären Trennfilm FP-3000B von Fuji gemacht, der inzwischen nicht mehr produziert wird. Ohne digitale Manipulationen scannt Oestergaard die kleinen Originale ein und lässt sie auf fotografischem Fine-Art-Papier vergrößert ausdrucken.

Jessen Oestergaard vita: 1962 in Berlin geboren, lebt und arbeitet bei/in Schwetzingen. M.A. (Magister Artium) in Anglistik/Romanistik Uni Heidelberg. Stipendiat des DAAD an der San Diego State University, Fotografiekurse am Industrial Arts Department. Hasselblad Fine Art Preisträger im Magazin Photo Technik International (1993, einer von zehn). Seit 1997 freier Fotograf. 1998 – 2001 Assistenz in einem Studio für Werbefotografie. Arbeitsschwerpunkte: Kunst, Portraits, Auftragsfotografie. Fotodozent: u.a. Initiator und Organisator des Schwetzinger Foto-Salons, Woche des Sehens in Château Plagne, Frankreich. Publikation von Bildbänden, Künstlerbüchern und Firmenkalendern. Aufnahme in das „Who’s Who in Visual Art – 75 Fine Art Photographers“ 2013 und 2015 (Art Domain Whois Verlag, Leipzig). Gründungsmitglied der KIS – Künstlerinitiative Schwetzingen e.V., 1. Vorsitzender. Mitglied des VBKW e.V., BBK. (Text der Homepage von Jessen Oestergaard entnommen)

Die Ausstellung ist zu sehen
05. Februar 2018 – 05. Mai 2018

Büchergilde Buch und Kultur
Kleinschmidtstr. 2  69115 Heidelberg
Tel.: 06221-28288
Email: heidelberg-buechergilde@t-online.de

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