Die erste Kraftdroschke

Vom Kutscher zum Heizer
Chauffeur“, das französische Wort für „Heizer“ war der neue Begriff für die Lenker der neumodischen Kraftdroschken
In der Heidelberger Tageszeitung „Neueste Nachrichten“ vom 20. Mai 1909 war folgende Meldung zu finden: „Die erste Automobildroschke in Heidelberg steht seit gestern auf dem Droschkenplatz vor dem Bahnhof in der Rohrbache Straße und hat guten Zuspruch seitens des Publikums. Unternehmer ist Lohnkutscher Franz Rammel, Ladenburger Straße 61.“
Das war die Kraftdroschke Nr.1, ein 8/32-Ps-Benzwagen mit dem Kennzeichen IV B -2401. Der 1864 geborene Franz Rammel war bis 1900 Fahrer des Pferdeomnibusses des Schloßhotels gewesen, hatte sich dann als Lohnkutscher mit eigener Droschke selbstständig gemacht. Der Standort seines Zweispänners war der Platz vor dem Bahnhofsgebäude gegenüber der Dresdner Bank. Insgesamt waren in Heidelberg zu jener Zeit 80 Pferdedroschken zugelassen.
Bei einem Besuch in Baden-Baden bekam Franz Rammel eine der ersten Kraftdroschken zu sehen und dies beeindruckte ihn so sehr, dass ihn der Gedanke an die Anschaffung eines Automobils nicht mehr losließ. Der Einsatz eines Automobils im Droschkenwesen konnte sich trotz hoher Anschaffungskosten rechnen, denn alleine die Futterkosten für ein Pferd beliefen sich leicht auf 1.000.- Mark pro Jahr. Pferdedroschken verfügten nur über eine eingeschränkte Einsatzzeit und bei max. 8 km/h über einen beschränkten Aktionsradius von 40 – 45 km pro Tag.
Das Auto hingegen war rund um die Uhr einsetzbar, schneller, moderner -aber auch „gefährlich“: Die 7.451 im Reichsgebiet zugelassenen Taxen des Jahres 1913 verursachten nach einer Statistik innerhalb eines Jahres 4.949 Unfälle.