Das Ärztehaus-West

Wenn man die Geschichte des heute nicht mehr aus der Weststadt wegzudenkenden Ärztehauses hört, wird sofort klar, dass es moderne, über ihre Gegenwart hinaus konzipierte Projekte schon immer schwer hatten, anfangs akzeptiert und realisiert zu werden. Städteplaner und Architekt Horst Frauenfeld hätte am heutigen Standort, der Einfahrt zur Innenstadt, lieber ein Hochhaus als städtebaulichen Akzent gesetzt. Dieser Plan scheiterte allerdings am Einspruch der Nachbarn.
Als 1970 der damals junge Kieferorthopäde Christoph Herrmann mit Prof. Dr. Hansjakob Mattern, Dr. Fritz Thierfelder, Dr. Günther Weber und 13 weiteren niedergelassenen Ärzten und dem Architekten Horst Frauenfeld das Projekt Ärztehaus- West entwickelte, waren diese Doktoren Wegbereiter für Neues und Fremdlinge im eigenen Verband. Als Vorbild diente den jungen Ärzten die Mayo-Klinik in den USA und das damals erste und einzige Ärztehaus in Köln.
Die Gruppe der 13 Ärzte gründete also eine private GmbH und Co. KG, um mit dem entsprechenden Geschäftsmodell das anvisierte Projekt zu finanzieren und realisieren zu können. Das Konzept für den Bau an der Ecke Rohrbacher-/Franz- Knauff-Straße war das der ersten partiellen Gruppenpraxis in Süddeutschland. Was sich in Nord- und Westdeutschland damals schon über 5 Jahre bestens für Ärzte und Patienten bewährt hatte, war für Süddeutschland noch ein völliges Novum: 20 Ärzte, so der Plan, sollten die diagnostischen und therapeutischen Einrichtungen gemeinsam anschaffen und nutzen. Und so sollte das Haus einmal von innen aussehen: im Erdgeschoss eine Bankfiliale und ein Laden des Südwestdeutschen Wirtschaftsverbandes der Ärzte. Im Behandlungszentrum

waren medizinische Bäderabteilungen mit Unterwassermassagen vorgesehen. Im zweiten Geschoss waren die Labor- und diagnostischen Abteilungen, Inhalations- und Bestrahlungsräume, ein als Konferenzraum dienender Gymnastiksaal sowie eine Sauna für alle geplant. In den übrigen Stockwerken sollten sich ein Kieferorthopädisches Zentrum, ein Röntgentechnisches Institut sowie Arztpraxen befinden. Am 5. Dezember 1970 war die feierliche Grundsteinlegung, 1972 die offizielle Einweihung. Viele Schwierigkeiten galt es noch zu überwinden. So untersagte die Kassenärztliche Vereinigung anfangs die Benutzung des Namens „Ärztehaus“, was heute lächerlich er scheint. Aus einer in den 1970er Jahren erdachten modernen Idee wurde eine Erfolgsgeschichte im Medizinbereich. Im Jahr 1997 bekam der Bau ein neues Dach, um so mehr Raum zu schaffen. Statt des alten Flachdaches wurde ein Giebeldach mit zusätzlichen Räumlichkeiten errichtet.

Heute beherbergt das Erdgeschoss eine Urologische, eine HNO-Praxis, sowie eine Radiologische Praxis. Im 1. OG befinden sich eine Kieferchirurgische Praxis und zwei Physiotherapeutische Praxen. Im 2. OG findet man eine Allgemein-Praxis mit Psychotherapie neben einer Kardiologischen Praxis. Im 3. OG befindet sich eine Kieferorthopädische Praxis und im 4. OG eine Zahnmedizinische Praxis.

Das Konzept des Ärztehauses hat sich in vielen Städten Deutschlands inzwischen durchgesetzt. Das Engagement der Heidelberger Gründer des Ärztehaus-West kann daher als zukunftsweisend bezeichnet werden.