William Cody Maher, Poet

William Cody Maher stammt aus San Francisco und ist ein außergewöhnlicher Performance Artist und Poet.

Er wanderte jahrelang “um den Globus mit Lyrik im Koffer” (DeBug). Moskau, Paris, Berlin waren Stationen auf seinem Weg, jetzt ist er (vorerst) in Heidelberg angekommen. Der Koffer ist voller Lyrik und Texten aller Art, zum Beispiel der phantastischen Performance The Suitcase oder dem Text Human Being, Grundlage für das Tanzstück BEING HUMAN BEING. (Choreographie und Bühne: Antony Rizzi, Tanz: Antony Rizzi, Yoko Ando von Forsythe´s Ballett Frankfurt).

Cody schreibt in seiner Muttersprache. Sein neues Buch Geisterstadt wurde – zum Glück für die deutschen LeserInnen -  vom legendären Bukowski Übersetzer Carl Weissner ins Deutsche übersetzt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.07.2006

William Cody Mahers “finster-schöne Prosapoeme” haben den Rezensenten Ralph Dutli durch und durch fasziniert. Maher ist ein “durchtriebener Schwarzseher” und seine Erzählextrakte sind von skurril verzerrten, versehrten Existenzen bevölkert, so der Rezensent. Besonders verstört, und damit betört, hat ihn die Erzählung “It’s me babe”, in der zwei Kriminalermittler abwechselnd eine Frau verhören, dabei psychologischen Druck mit intimem Liebesgeflüster abwechseln. Mahers Erzählungen sind an sich schon genial, weil sie trotz tiefster Dunkelheit poetisch leuchten, findet der Rezensent. Perfekt wird der Band für ihn durch die geniale Übertragung des Bukowski-Übersetzers Carl Weissner und dessen Nachwort, das eine äußerst treffende Beschreibung von Mahers Texten bereit halte: Es liege ein “verführerischer Schimmer von Endgültigkeit” auf ihnen, “als wären es lauter letzte Worte von Opfern, Tätern, Passanten, von denen manche nicht mehr ausreden durften”.
(Text entnommen: www.odile-endres.de/poets/cody.htm)

BEING HUMAN
I was almost human but then something went wrong
I was a human being but then I became a victim
I almost became a human being but then I ran out of time
I was one of two human beings involved in a hideous crime
I was one of three human beings caught up in a mystery
I forgot what it was like to feel human a long time ago
I was set off as a human torch in the eyes of my fellow man
I was human but then it stopped paying off
I was one of two human beings in love with a third
I felt godlike but it didn’t last
I was human but it felt strange to me
It was fun being human for awhile till the fun wore off
I was human but then I was in too much pain
I loved a human being once and can hardly believe it now
I saved a human being once but couldn’t save myself
I pulled a human being out of the water once
but it was already dead
I was a human being as long as it was in fashion
I was in the business of being human
I hunted down humans for a living
Act like a human being he cried and then fired the gun
I saw a human being once from a great distance
I wanted to get close to a human being once but I failed
A human being once wrote a beautiful letter to me
but I didn’t have the courage to answer it
I watched a human being get away with murder
A human being was singing once and then it stopped
Human beings can be found everywhere
yet I have never really known one
Until you have lost a human being you loved
you can’t really call yourself human
A great human being was said to have lived here
I looked in the mirror once and saw something that looked
like a viscous animal
So that’s what they look like, I thought
It didn’t look half human when they were finished with it
I wouldn’t want to be a human being for all the money in the world
Now that ‘s a human being I thought and then it went for my throat
I saw the most gentle human being the other day.
She didn’t see me.

———————————————————-

Hier die Übersetzung von Carl Weissner:
Mensch sein

Ich war fast ein Mensch aber dann ging etwas schief

Ich war ein Mensch aber dann wurde ich zum Opfer

Ich wurde fast ein Mensch aber dann lief mir die Zeit davon

Ich war einer von zwei Menschen die in ein grausiges Verbrechen verwickelt waren

Ich war einer von drei Menschen  die in ein Geheimnis verstrickt waren

Ich habe schon vor langer Zeit vergessen wie es ist sich als Mensch zu fühlen

Ich wurde als menschliche Fackel vor aller Augen angezündet

Ich war ein Mensch aber dann lohnte es sich nicht mehr

Ich war einer von zwei Menschen verliebt in einen dritten

Ich fühlte mich gottgleich aber es dauerte nicht an

Ich war ein Mensch aber es kam mir merkwürdig vor

Es machte eine zeitlang Spaß Mensch zu sein bis der Spaß aufhörte

Ich war ein Mensch aber dann wurde der Schmerz zu groß

Ich liebte einmal einen Menschen – jetzt kann ich es kaum noch glauben

Ich rettete einmal einen Menschen aber ich konnte mich nicht retten

Ich zog einmal einen Menschen aus dem Wasser aber er war schon tot

Ich war ein Mensch solange es Mode war

Ich war gut im Geschäft Mensch zu sein

Ich jagte Menschen um Geld zu verdienen

Benimm Dich wie ein Mensch! Schrie er und feuerte das Gewehr

Ich sah einmal einen Menschen aus großer Entfernung

Ich versuchte einmal einem Menschen nahe zu kommen aber ich schaffte es nicht

Einmal schrieb mir ein Mensch einen wunderbaren Brief

aber ich hatte nicht den Mut zu antworten

Ich sah zu wie ein Mensch ungeschoren davonkam

Einmal sang ein Mensch und hörte dann auf

Menschen kann man überall finden

trotzdem habe ich nie einen wirklich gekannt

Solange man nicht einen Menschen verloren hat den man liebte

kann man sich nicht wirklich Mensch nennen

Man sagte hier habe ein großer Mensch gelebt

Ich sah einmal in den Spiegel und erblickte etwas das wie ein böses Tier aussah.

So sehen sie also aus dachte ich

Es war nichts Menschliches mehr an ihm als sie mit ihm fertig waren

Ich möchte nicht für alles Geld der Welt ein Mensch sein

Ah das ist ein Mensch dachte ich und dann sprang er mir an die Kehle

Ich sah vor ein paar Tagen das zarteste menschliche Wesen.

Sie sah mich nicht.

Publikationen:
Three Poems, 1983, Deep Forest Press, San Francisco
Stimmen am Zaun, 1985, HHead Farm, Odisheim
Sleep Fell, 1988, City Lights Books. San Francisco
Shadowing Man, 1992, Deep Forest Press, San Francisco
To Quite a Foreign Pain. 1993,
Poetry Photo Project mit Susan Schwartzenberq
Visual Studies Workshop NY
The Suitcase,  Audio CD, Spoken Word with Music, 2000, Frank Pyne
A Campfire/Source Records Production

Filmrollen
1981 spielte er den Oberlin im Film Lenz nach Büchner, von Alexandre Rockwell
1983 spielte er die Hauptrolle im Film Nero von Alexandre Rockwell,
beide Filme wurden auf der Berlinale gezeigt
2002 spielte er den Gefangenen in dem Film Die Hundeblume.
nach Wolfgang Borchert, von Mischa Blume

Ausstellungen
1992 My Name is Hunter`s Point, Phow/Poctn- mit Susan Schwartzenberq
wurde u.a. in Camcera Works San Francisco und im DAI Heidelberg gezeigt

Performances
2001 Enjoy Jazz, Karlstorbahnhof  Heidelberg, Regie: Signe Maehler
Musik: Natalia Pschenitschnikowa, Frank Pyne, David Moufang,
Jochen Seiterle, Alex Cortex Visuals: Misha Gerweck

2002 und 2003 als Schauspieler und Texter in Anthony Rizzi’s Tanztheater
Judy was Augry
und Human Being Human in Frankfurt und Wien.
2002 In War at Heart, eine Nacht im Club bei Hans Romanoff,
MousonturmFrankfurt, Regie: Signe Maehler
2003 und 2004 mit Texten in Poet Zone, Poesiefestival im DAI Heidelberg