Dr. Ulrich Höpfner

Standhaft für die Umwelt – Ulrich Höpfner und das Ifeu-Institut
Das ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH ist ein eigenständiges Forschungsinstitut und als gemeinnützig anerkannt. Es wurde 1978 von WissenschaftlerInnen der Universität Heidelberg als Zentrum für unabhängige Forschung zu umweltrelevanten Fragen gegründet. Im IFEU sind derzeit rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überwiegend aus dem Bereich der Natur- und Ingenieurswissenschaften beschäftigt. Der langjährige Vorstand Dr. Ulrich Höpfner lebt seit über 30 Jahren in der Weststadt.

Entstehung neuer Wissenschaftlichkeit
1978 war eine Zeit, in der junge Menschen innerhalb und außerhalb der Universitäten neue Ansätze in Politik, Kultur und Wissenschaft entwickelten und in Initiativen und Organisationen selbst umsetzten. Ulrich Höpfner kam 1965 nach Heidelberg, um Chemie zu studieren.  Warum Chemie? Es liegt in seinen Genen, sagt er dazu. Früher wollte er mal Fotograf werden, das war ihm dann aber doch zu einseitig. Schon während des Studiums setzte er sich kritisch mit den politischen Vorgängen an der Hochschule und in der Gesellschaft auseinander. Es war auchdie Zeit, als mit großem politischen Ehrgeiz, wirtschaftlicher Macht und wissenschaftlicher Verharmlosung die Kernkraft als Energieträger, oft oder meistens gegen den Willen der betroffenen Bevölkerung, in Deutschland durchgesetzt werden sollte. Eine ökologisch ausgerichtete Wissenschaft gab es noch nicht. Daher schloss Ulrich Höpfner sich einem von Studenten initiierten Umwelt-Tutorium an, das Fragen stellte nach den Gefahren und Konsequenzen der Kernenergie für Natur und Umwelt. Die kritischen Nachwuchswissenschaftler führten Berechnungen zur Strahlenemission des geplanten Kernkraftwerks Wyhl am Kaiserstuhl durch und kamen zu völlig anderen Ergebnissen als die offiziellen Verlautbarungen. Dieses Gutachten verstärkte und untermauerte den Widerstand der Bevölkerung im badisch-elsässischen Grenzgebiert gegen den Bau des Meilers, der letztlich erst 1994 von der damaligen Landesregierung unter Lothar Späth endgültig aufgegeben wurde.Neue Ideen und alternative Ansätze galten den alten Eliten in Staat und an Hochschulen als aufrührerisch, links und subversiv, daher wurde dem ökologisch-orientierten Umwelttutorium alsbald von der Universitätsleitung schlichtweg die Mittel gestrichen.Willy Brandts Formulierung von 1969 „mehr Demokratie wagen“ war also in der Heidelberger Universität bis dato noch nicht angekommen. Als Konsequenz dieses Verbots gründeten die Initiatoren der wissenschaftlichen ökologischen Methodik das Institut für Energie- und Umweltforschung. Das Institut war ursprünglich als gemeinnütziger Verein organisiert. Seit 1991 ist das IFEU zu einer GmbH umstrukturiert, die als gemeinnützig anerkannt ist. Diese Struktur gewährleistet, dass die Tätigkeiten des IFEU ausschließlich gemeinnützigen Zwecken dienen und dass keine private Teilhabe an einem etwaigen Ertrag oder dem Besitz des Instituts erfolgen darf.

Unabhängige ökologische Forschung
Für die Gründer begann mit der Eigenständigkeit ein steiniger Weg. Die Anfeindungen kamen von Seiten konservativer  Politiker, Medien und der Wirtschaft einerseits, von linken Politgruppen andererseits. Das „radioökologische Gutachten zum Kernkraftwerk Wyhl“ des IFEU wurde von einer Schweizer Professorin und Kernkraftbefürworterin als „ein subjektives Elaborat“, bezeichnet, was sie später per Gerichtsurteil unterlassen musste. Es war die Zeit, als ein Kanzlerkandidat Strauß seine Kritiker als „Ratten und Schmeißfliegen“ titulierte. Höpfner erinnert sich an die Einladung zu einer politischen ZDF-Fernsehdiskussion in jener Zeit, in der er bei der Anmoderation als Öko-Exot und Alibi-Wissenschaftler angekündigt wurde.„Der Spiegel“ schrieb noch 1980 über ökologisch orientierte Wissenschaftler von „Tüftler im Grünen“, die als Wohngemeinschaft mit undurchsichtigen Methoden und Finanzierungen agieren, andere Blätter schrieben von „windigen Ergebnissen“. Für die fundamentalistische politisch linke Szene dagegen war das IFEU einfach Helfer des Kapitals und deshalb zu bekämpfen. In Wahrheit gingen die Wissenschaftler ihren eigenen Weg, der von Unabhängigkeit bestimmt war. Als Leitfaden für die gemeinsame Forschungsarbeit galt immer „wissenschaftliche Redlichkeit“, Ergebnisse der Untersuchungen wurden nicht ideologisch geschönt oder bei Nichtgefallen „unter den Tisch gekehrt“. Die Freude an der Arbeit hatte und hat bei dem IFEU einen zentralen Stellenwert. Der Mittelpunkt ist die gemeinsame Kommunikation und die individuellen Entfaltungsmöglichkeiten der einzelnen Mitarbeiter. Viele Themengebiete, die im Laufe der Zeit das Portfolio des IFEU erweiterten gehen auf Initiativen der Mitarbeiter zurück. Die Namen der Auftraggeber für Forschungsaufträge, Gutachten und Beratungsleistungen sind heute, neben Bundes- und Landesbehörden, ein wahres „Who is Who“ internationaler Institutionen und Unternehmen. Viele Projekte werden inzwischen von der EU gefördert.

Verkehr & Umwelt
Ulrich Höpfner entdeckte 1982 das Thema Verkehr und Umwelt für sich. Angeregt durch das damals aktuelle Thema Waldsterben merkte er, dass es noch keine methodischen Instrumente gab, den Einfluss des Verkehrs, speziell des Autoverkehrs, auf Umwelt und Natur zu erfassen, zu messen und zu analysieren.Wie damals üblich, musste erst einmal eine lange Durststrecke mit nur publizistischer, aber keiner staatlichen Akzeptanz überwunden werden. Aber ab 1990 folgte eine große Zahl von Gutachten für öffentliche Träger, deren Ergebnisse in viele  Veröffentlichungen einflossen. In letzter Konsequenz wurden dadurch die Weichen gestellt, die deutsche Autoindustrie zum Entwickeln und Einbau des Katalysators in ihre Produkte zu bringen. Das gleichzeitig angestrebte Tempolimit auf deutschen Straßen wurde allerdings von der Autolobby bis heute erfolgreich abgewehrt.Höpfner ist mit dem Ergebnis dennoch zufrieden. War doch Deutschland damit europäischer Vorreiter und die anderen Autobauer mussten nachziehen, ein echter Erfolg im Kampf für eine sauberere Umwelt.Schon 1993 beschäftigte er sich mit der Zukunft, den Vor- und Nachteilen des Elektroautos, was in unseren Tagen, also erst 20 Jahre später, zu einem ernsthaften wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Thema wird. Den neuen i3 von BMW findet Ulrich Höpfner wirklich gelungen und zukunftsweisend, was Technik und benutzte Materialien angeht.Den Einwand, bei Entwicklungen dieser Art und überhaupt bei Umweltfragen, Klimaschutz und produktiver Nachhaltigkeit lassen sich Politik und Industrie viel zu viel Zeit, kontert der Experte mit den Worten „Langmut und Geduld sind notwendig, Ungeduld hilft nicht weiter.“Dieser Satz passt genau zu dem Mann, der von 1978 bis 2009 dem ifeu-Institut vorstand. Seine ruhige, bestimmte und kompetente Ausstrahlung, seine natürliche Autorität gepaart mit Freundlichkeit und sein den Menschen zugewandtes Wesen prägen das Selbstverständnis des Instituts bis heute.Unabhängigkeit und Selbstbestimmung im Beruf waren Ulrich Höpfner immer wichtiger als eine klassische akademische Karriere. Auch Angebote, an anderer Stelle mehr zu verdienen, waren kein echter Anreiz. Sich treu bleiben ist für ihn ein hoher Wert. Nicht mehr in der ersten Reihe des IFEU zu stehen bedeutet nicht, im Ruhestand zu sein. Vielmehr ist es ein „Unruhestand“, den Ulrich Höpfner pflegt, indem er dem IFEU immer noch beratend und helfend zur Seite steht.

In seiner Freizeit war Ulrich Höpfner Mitte der 1980er Jahre Mitinitiator des Sommerspektakels auf dem Wilhelmsplatz.

Bedeutendste Ehrung des Landes Baden-Württemberg für Ulrich Höpfner
27.04.2015 Ministerpräsident Winfried Kretschmann verlieh am 25.04.2015 den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg an Dr. Ulrich Höpfner, Ehrenvorsitzender, Mitbegründer und Leiter des IFEU von 1977 bis 2009. Dieser Orden ist die höchste Auszeich­nung des Landes. Er wird für heraus­ragende Verdienste um das Land Baden-Württemberg, insbesondere im sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Bereich, verliehen. Die Zahl der Ordensträger ist auf insgesamt 1.000 lebende Personen begrenzt.
Bei der diesjährigen Verleihung im Mannheimer Schloss wurden vom Ministerpräsidenten in Anwesenheit von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer 25 Personen mit dem Landes­verdienstorden ausgezeichnet, darunter der Chemie-Nobelpreisträger Prof. Dr. Stefan Hell, der frühere Ministerpräsident Günther Oettinger und die frühere Bundes­justizministerin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin.
Ministerpräsident Kretschmann führte bei der Verleihung u.a. aus: “Dr. Ulrich Höpfner ist der Pionier einer kritischen Nachhaltigkeitsforschung in Deutschland. Bereits 1977 gründete er mit Gleichgesinnten das ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg. Unabhängig von Politik und Wirtschaft bezieht das Institut zu umweltpolitischen Themen wissenschaftlich fundiert Stellung und befördert die öffentliche Diskussion. Wichtige Gutachten zur Kernenergie, zu Abfall- und Ressourcen-Themen, zu Klimaschutz, Energie, Umwelt und Verkehr haben die Politik in Deutschland maßgeblich beeinflusst.” Höpfner war zudem langjähriges aktives Mitglied mehrerer Landes- und Bundesgremien, so im Nachhal­tigkeitsbeirat des Landes Baden-Württemberg.