Als die Strassen noch nicht geteert waren

Kaum noch vorstellbar, dass die einstigen Einwohner, so um 1878, hier nicht auf asphaltierten Strassen gingen. Sie spazierten, rannten, fuhren mit Fuhrwerken und liefen mit Handkarren quasi über Feldwege – so wie heute noch Viele in Afrika, Asien und Südamerika.

 

Befestigte Trassen waren damals nur für die Pferde- und die spätere Straßenbahn notwendig, wie in der Rohrbacher Straße etwa.

22. Juli 1886:
Eröffnung der Pferdebahnlinie Hauptbahnhof-Rohrbacher Straße-Steigerweg
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Der Belag war aus Kopfsteinpflaster, das nicht nur bei Nässe sehr glatt und rutschig ist. Hat jemand schon mal ein Pferd beobachtet, das einen schwer beladenen Wagen einen kopfsteingepflasterten Berg hinaufzieht? Wie da die Funken der Hufeisen spritzen?
Oder hat jemand schon den Lärm der eisenbeschlagenen Räder von Kutschen und Wagen dabei erlebt?

Ganz anders war es auf den Nebenstrassen, wie der Kaiserstrasse zum Beispiel. Oder der Blumenstraße. Ein sandiges, manchmal knirschendes Geräusch von Füßen und Eisen-Reifen. Dazu das Rattern von Sägen aus den Schreinereien, das Hämmern und metallische Geräusche aus den Schlossereien, Geschrei, manchmal, aus den verschiedenen Handwerksbetrieben. Nein, ungeteert heißt noch lange nicht leise.
Aber es waren nur ein paar Schritte, dann war man bei Wiesen, Bäumen, Blumen, Gerüchen, die man nur in der Natur erlebt.

 

Die Zeit schreitet fort, der Fortschritt ist unvermeidbar und greift sich Raum.
Inzwischen sind die Strassen geteert, die Karren haben Reifen aus Gummi erhalten und sehen etwas anders aus. Aber es gibt sehr viele davon und die Einwohner stellen ihre Karren vor den Häusern an den geteerten Strassen ab und ärgern sich, wenn zu viele Karren herumstehen.