Historisches im Viertel

Weinlese 1818, Rohrbacher ChausseeSo sah es mal aus: den Stadtteil Weststadt gab es einfach nicht

Als 1818 in der Nähe der Krappfabrik noch Wein gelesen wurde, dachte wahrscheinlich kein Anwohner der Rohrbacher Chaussee im Traum daran, wie sehr sich ihr Lebensraum im Laufe der nächsten Jahrzehnte verändern würde.  Rohrbacher Chaussee – heutige Rohrbacher Straße 57. Zwischen 1784 und 1835 besaß Christian Adam Fries dort eine Krappfabrik (= Färberröthe, Krapp, Grapp, Rubia L, der Name einer Pflanzengattung, deren Wurzeln zum Rothfärben gebraucht werden) und ein Bankhaus, beide gingen 1857 bankrott. An den Hängen zwischen Heidelberg und der Ortschaft Rohrbach wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts Wein angebaut. So existierten bis 1945 in der Gaisbergstraße noch einige Winzerbetriebe.

Die Infrastruktur entsteht
Mannheimer Tor ab 1752 Im 17. Jahrhundert befanden sich an der Stelle des heutigen Bismarckplatzes die Bollwerke um das Speyerer Tor. Es handelte sich beim Speyerer Tor um das Haupttor an der Westseite der Stadt. Es befand sich an der Stelle an der die Hauptstraße, die sich durch den gesamten altstädtischen Bereich zieht, aus der Altstadt austritt. 1752 wurde as Speyerer Tor durch das Mannheimer Tor ersetzt, das wiederum selbst 1854 abgerissen wurde.
1847 legte man einen Winterhafen an, um den Schiffsverkehr des Neckars, eine wichtige Einnahmequelle der Stadt, zu unterstützen. Da jedoch zur gleichen Zeit der Eisenbahnverkehr auf dem Vormarsch und der Winterhafen selbst eine Fehlkonstruktion war, wurde das Becken 1874 wieder zugeschüttet. Am so entstandenen Hafenplatz wurde eine Gartenanlage gestaltet. Diese erhielt am 1. April 1897 den Namen Bismarckplatz anlässlich des 60. Geburtstages des Reichskanzlers Otto von Bismarck.

Hotel Bayerischer Hof, 1856 eröffnet

1856: das Hotel Bayerischer Hof wird in der Rohr­bacher Straße 2 gebaut.  Auch heute noch zählt es dank seiner zentralen Lage,  gutem Service und schönen Zimmern zu einem der führenden Business-Hotels in Heidelberg.

 

 

nach 1860: Das kaiserliche Postamt, in 1960er Jahren völlig intakt abgerissendas kaiserliche Postamt im zeittypischen klassizistischen Stil wird gegenüber des Bahnhofs errichtet.
In den 1960er Jahren wurde das völlig intakte historische Gebäude abgerissen und man errichtete an dessen Stelle dieses schöne Bauwerk ganz im Stil der neuen Zeit.
Anhand dieses Falls und etlicher weiterer Beispiele der gleichen Art glauben manche Experten, der Begriff  “Bausünde” wurde in und für Heidelberg geschaffen.

 

Fuchs´sche Waggonfabrik im Rohrbacher BaubezirkDie Waggonfabrik Fuchs, 1844 von Kutschenfabrikant Heinrich Fuchs d. Ä. in Darmstadt gegründet, am 2. April 1862 nach Heidelberg verlegt, nimmt im Rohrbacher Baubezirk die Fertigung mit 30 Arbeitern auf. 1901/1902 wird die Fabrik von der Weststadt in den damaligen Nachbarort und heutigen Stadtteil Rohrbach verlegt (1902 abgeschlossen). Kunden waren vor allem die Badischen Staatseisenbahnen mit Güter- und Personenwagen, die Elektrische Straßenbahn Heidelberg–Wiesloch (übrigens ebenfalls mit Güterwagen für den Transport des Schotters zwischen Steinbruch und dem Leimener Zementwerk), Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG (HSB), Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft (OEG), Rhein-Haardtbahn (RHB), aber auch die Berliner U-Bahn.

 

Grand Hotel Heidelberger Hof1876/77: Das Grand-Hotel (später Heidelberger Hof)  Rohrbacher Straße 11 / Seegarten mit 100 Betten wird errichtet.
Später war das Polizeipräsidium dort untergebracht, heute eine Polizeistation.
Blick nach Süden
Blick nach Norden

 

 

1886: die Landhausschule wird eingeweiht

St. Josefshaus 1888 erbaut1888: das St. Josefskrankenhaus wird nach einem Entwurf von E. Krause erbaut. Das St. Josefskrankenhaus wurde am 27. Oktober 1890 vom Orden der Freiburger Vinzentinerinnen der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul eröffnet. Die katholische Klinik, die zunächst auf Chirurgie und Innere Medizin spezialisiert war, verfügte über 35 Betten. 1925 und 1948 wurde das St. Josefskrankenhaus zwei Mal erweitert; 1957 der Neubau in der Häusserstraße fertig gestellt. Mit den neuen Abteilungen Gynäkologie und HNO betrug die Bettenzahl nun 180.
Heute stellt das St. Josefskrankenhaus 234 Betten bereit in den Abteilungen Innere Medizin – Kardiologie und Angiologie sowie Gastroenterologie und Endokrinologie/Diabetologie, Chirurgie, Gynäkologie/Geburtshilfe, HNO, Anästhesie und Radiologie. Hinzu kommen 15 Plätze in der Diabetes-Tagesklinik. 1964 eröffnete der Orden der Barmherzigen Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul in der Weststadt eine Krankenpflegeschule mit zunächst 20 Ausbildungsplätzen. Derzeit werden dort 66 junge Menschen für einen Beruf in der Pflege ausgebildet. Seit 1977 ist das Josefskrankenhaus Akademisches Lehrkrankenhaus der Ruprecht-Karls-Universität, Heidelberg.  (Text teilweise der Homepage des St. Josefskrankenhaus entnommen)

1890 Eröffnung des Hotel Reichspost, Rohrbacher Straße 1; 1958 geschlossen, 1959 zerstört

1903: die katholische St. Bonifatius Kirche wird eingeweiht

1904: die evangelische Christuskirche wird eingeweiht