Das Landfried`sche Bürgerstift

Im März 1893 stiftete Emma Landfried, Witwe des Fabrikanten Jakob Landfried, zum Andenken an ihren verstorbenen Mann der Stadt Heidelberg 15.000 Mark zur Errichtung eines bürgerlichen Frauenstifts. Diese Stiftung sollte allein­stehenden Frauen mit bescheidenen finanziellen Mitteln ermöglichen, einen würdigen und selbstständigen Lebens­abend zu gestalten.
Die Stiftung wurde mit Einverständnis von Frau Landfried zunächst vom damaligen Stadtrat der Stadt Heidelberg verwaltet. Die Familie Landfried erweiterte das Gründungsvermögen durch zahlreiche Zustiftungen in den folgenden Jahren. Bereits zwei Jahre später gaben die Kinder des Herrn Fritz Landfried senior zu seinem Andenken weitere 15.000 Mark. Ebenso gaben am 8. Juli 1895 Fritz Landfried und Elisabeth Landfried weitere 15.000 Mark und Hermann Landfried noch einmal 10.000 Mark.
Vier Jahre lang war das Stift in gemieteten Räumen untergebracht. Im Frühjahr 1898 wurde mit dem Bau eines geeigneten Hauses für das Projekt auf dem Grundstück Ecke Häusser- und Kronprinzenstraße begonnen. Das großzügig ausgelegte Gebäude im Baustil der Jahrhundertwende hatte geräumige Zimmer von etwa 20 qm für die Bewohner, ausgestattet mit privaten Waschbecken, elegant möblierten Gemeinschaftsräumen, eine Großküche mit modernster Ausstattung und einen wunderschönen Garten.
Das Gelände um die Kronprinzenstraße war zu diesem Zeitpunkt noch kaum bebaut, rings herum waren Felder und Gärten.
Am 29. Oktober 1899 wurde der Neubau in einer Feierstunde unter Anwesenheit des Großherzogs von Baden nebst Gattin Louise seiner Bestimmung übergeben.
Seitdem hat das Haus, seine Bewohner und die Leitung viele Stürme und Schwierigkeiten überstanden, sei es die Inflation, Weltkriege, Auslagerung und Neubeginn nach 1945.
„Ohne Beschwerdebuch konnte Herr Bürgermeister Rausch dieser Tage das Landfriedstift verlassen, wohin er zu Kaffee und Kuchen eingeladen war, um die Wünsche und Beschwerden der Bewohner zur Kenntnis zu nehmen. Obwohl der Bürgermeister der Bürgermeister seine Umfrage von Tisch zu Tisch sehr diskret veranstaltete, kamen bei der Sache weder Beschwerden noch nennenswerte Wünsche heraus. Im Gegenteil, die Heiterkeit und Zufriedenheit der munteren Kaffeegäste hinterließen den Eindruck, daß in diesem Haus alles in Ordnung ist“. So schrieb das auch heute noch schmerzlich vermisste Heidelberger Tageblatt in seiner Ausgabe vom 23. April 1958.
In den folgenden Jahren begab sich das Landfriedstift aus Kostengründen auf den Weg zum „Betreuten Wohnen“. Trotz kontinuierlicher Anhebung des Tagessatzes von 11,50 DM (1965) auf 40,00 DM (1983) war  ein kostendeckendes Arbeiten nicht möglich.
Im Rahmen einer Neufindung und -aufstellung des Landfriedstifts entstand das Seniorenzentrum im Landfried`sche Bürgerstift in den 1990er Jahren.
Ziel der Seniorenzentren ist die Aktivierung älterer Menschen, Dinge selbst zu tun.
Das Seniorenzentrum Weststadt ist ein unverzichtbarer Bestandteil kommunaler Altenpolitik geworden. Als der Wegbereiter für alle anderen Seniorenzentren in Heidelberg ist es ein lebendiger Treffpunkt für ältere Bürgerinnen und Bürger der Weststadt.
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